Abstammung

Wenn in der Umgangssprache von Schafen zu Rede ist, versteht man darunter meistens die Tierart "Hausschaf", lat. Ovis orientalis aries. Dabei handelt es sich um die domestizierte Form des Wildschafes (lat. Ovis orientalis).

Stammbaum der Schafe
Stammbaum der Schafe

Das Wildschaf seinerseits wird gewöhnlich in zwei Unterartgruppen eingeteilt, in die Mufflons (auch Westliche Wildschafe genannt) und in die Urials (auch Steppenwildschafe genannt).  Während die Gruppe der Mufflons aus sechs Unterarten besteht, gehören zu der Gruppe der Urials nur deren drei. Eine der sechs Unterarten der Mufflons ist das Hausschaf. Nach heutigen Erkenntnissen durch genetische Analysen dürfte der direkte Vorgänger des Hausschafes das Armenische Mufflon - eine andere der sechs Mufflon-Unterarten - gewesen sein, welche im Kaukasus und angrenzenden Gebieten wildlebend vorkommt.

 

Wildschafe in der Schweiz

Mufflon Widder David Gerke
Mufflon-Widder (Gehegeaufnahme)
Neben den über 420'000 Hausschafen und einigen Wildschafen in Gehegen, kommt eine Unterart des Wildschafes in der Schweiz auch wildlebend vor, nämlich das Europäische Mufflon (lat. Ovis orientalis musimon). Diese Unterart gilt auf Korsika und Sardinien als heimisch und wurde in zahlreichen Regionen Europas künstlich angesiedelt. In der Schweiz fanden zwar keine Aussetzungen statt, aber in den benachbarten französischen Alpen. Von dort gelangten einige Tiere ins Unterwalliser Chablais, wo sie zwei kleine Kolonien bildeten. Diese sind kantonal geschützt, einzelne Abschüsse werden aber an gutbetuchte ausländische Jäger verkauft. Durch die Präsenz von mehreren Wölfen im Chablais in den Jahren 2006 bis 2010 wurden die beiden Kolonien stark dezimiert. Aus Sicht des Artenschutzes ist dies unproblematisch, da es sich nicht um eine einheimische Wildtierart handelt.

Die Feststellung, dass Mufflon-Kolonien ausserhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebiets durch Wölfe und andere Grossraubtiere stark dezimiert und sogar ausgerottet werden können, deckt sich mit Erfahrungen aus anderen Ländern (z.B. Frankreich und Deutschland). Mufflons sind offenbar nicht imstande, in suboptimalen Habitaten natürlichen Beutegreifern ausreichend auszuweichen. Mögliche Gründe sind etwa fehlende Rückzugsgebiete (fehlende Felsstrukturen im Flachland), gesundheitliche Benachteiligungen (z.B. starke Moderhinke-Infektionen in feuchten, weichbodigen Gebieten) oder ungünstige Klimaverhältnisse (hohe Schneelagen in den Alpen).

 

Der genaue systematische Status des Europäischen Mufflons ist übrigens noch immer nicht vollständig geklärt. So ist bis heute strittig, ob die Vorkommen auf Korsika und Sardinien tatsächlich autochthon (also heimisch) sind, oder ob sie nicht aus verwilderten, sehr ursprünglichen Hausschafen hervorgegangen sind. Letzteres scheint deshalb wahrscheinlich, weil die ältesten Spuren von Mufflons auf den Inseln etwa gleich alt sind wie die ältesten menschlichen Spuren. Die ersten Siedler könnten also bereits ihre Nutztiere mitgebracht haben.